Twitter ist neu, und so mancher scheint damit doch recht überfordert zu sein. Dies geht jedoch beileibe nicht nur alternden Hauptstadtjournalisten so, auch Menschen die näher an meiner Generation sind haben durchaus Probleme Twitter in seiner Gesamtheit zu verstehen. Neben Offline-Gesprächen im näheren Bekanntenkreis bekomme ich dies immer öfter auch online mit.
Und zwar ironischerweise mittels Twitter. Mein Twittername, dem geneigten Leser wird dies bekannt sein, ist @hmu. Der Stolz, eine zu meinem Namen passende TLA bekommen zu haben, stellt sich allerdings in letzter Zeit als auch nachteilig heraus: Das Urban Dictionary sagt mir, die Abkürzung HMU steht auch für die drei Worte “hit me up”, was keinerlei Gewaltaufforderung implizieren soll, vielmehr der Aufruf sich bei der schreibenden Person zu melden. Dies über Twitter einem großen Kreis an Menschen bekannt zu machen ist nun nicht unbedingt eine schlechte Idee. Bewerkstelligen ließe sich das indem man vor das “hmu” ein “#” platziert, um daraus einen Hashtag zu machen, der eventuell von einer großen Gruppe Menschen gefolgt wird, um eben jenen kontaktsuchenden Seelen zu helfen. So einige sind jedoch anscheinend von dieser Terminologie überfordert, und verwechseln die Raute mit dem “@”, wodurch aus dieser Nachricht kein allgemeiner Aufruf wird, sondern vielmehr eine Nachricht explizit an mich.
Für mich ist es dann mitunter schwer nachzuvollziehen ob dem oder der Autorin ein Fehler unterlaufen ist oder wirklich mir etwas mitteilen will. Teilweise tun sich aber auch interessante Einsichten in die Lebenswelten mir fremder Menschen auf. So twittert etwa “Vashanna lowe” unter dem Namen @Ladyrockstar001:
I dont like twtter ugg for real @lol i dont have no @follower lol @hmu on @facebook @bvashanna@yahoo i love you @bowwow @chrisbrown
Wie man sieht, ist “Ladyrockstar001″ anscheinend noch nicht erklärt worden was das “@” genau bedeutet. Ein Blick in ihre letzten Tweets offenbart, dass ihr es anscheinend missfällt, dass sie keine Follower hat, ihre Tweets abseits dieser Beschwerden bestehen allerdings hauptsächlich in Liebesbekundungen zu diversen Vertetern der amerikanischen RnB-Musik, die allesamt mindestens Follower im sechsstelligen Bereich haben und dementsprechend eher Probleme haben werden einzelne Liebesbekundungen per Twitter zeitnah zu würdigen.
Dann wäre da noch beispielweise “Alex Snoop Gort”, alias @WildChild_Ace, der schreibt:
BY DA WAY, WHO ELSE IS IN #MISSISSIPPI ? FUCK WIT ME! WE @ DA OAK PLACE 2NITE @HMU
Man ist kurz verwirrt, so wie bei einer SMS, bei der erst nach zweitem Lesen offenbar wird, dass sie den falschen Adressaten erreicht hat. Die Aufforderung, to “FUCK WIT” him, bin ich nicht nachgekommen, und man fühlt sich verpflichtet, ihm abzusagen und mittzuteilen dass man die Verabredung leider nicht einhalten kann. Ich habe ihm nicht geantwortet, ich weiß, ich bin ein schlechter Mensch.

